Merz, der Schwadroneur


 
Ich bringe nochmal einige Aussagen von ihm in Erinnerung:
 
❖ Reformen bzw. Veränderungen seien notwendig, damit vieles so bleiben kann, wie es ist.
❖ Die AfD sei eine Partei, die in der Tradition des schlimmsten Unrechts unseres Landes steht, das es in der Geschichte jemals gegeben hat“.
❖ Die Beschäftigten in Deutschland kämen im Schnitt auf 14,5 Krankentage. Zitat: „Das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“
 
Und im obigen Interview behauptet er tatsächlich:
 
„Viele Menschen in Deutschland sagen, dass es genau so ist, wie der Friedrich Merz das da gesagt hat“ und dass er sehr viel Zustimmung in der Bevölkerung bekäme.
 
Keine Ahnung, welche Bevölkerung er meint (möglicherweise die ukrainische?), denn bei uns belegt er z.B. in der aktuellen „Ipsos“-Umfrage Platz 16 (von insgesamt 18).
 
Seine nächste Behauptung: Die Arbeitszeit ist aktuell zu niedrig; die Schweizer würden 200 Stunden mehr arbeiten.
 
Zu dumm, dass der „SWR“ diesen Mythos bereits im Februar zerpflückt hat.

 

11.02.2026 Arbeiten die Deutschen wirklich viel weniger als die Schweizer?
 
„Zupacken und ranklotzen“ solle man in Deutschland angesichts der Wirtschaftskrise. Das sagte zuletzt Winfried Kretschmann und wiederholt es immer wieder. Der grüne Ministerpräsident ist sich dabei mit vielen Politikerinnen und Politikern aus der Union einig, etwa mit Bundeskanzler Friedrich Merz.
 
Auch die Spitzenkandidaten der CDU und der FDP bei der Landtagswahl sind der Meinung, dass mehr gearbeitet werden müsse in Deutschland.
 
So wie vor ihnen schon andere Politiker verweisen sie dabei auf unser Nachbarland: „In der Schweiz wird 200 Stunden mehr gearbeitet“, sagte Hans-Ulrich Rülke (FDP) kürzlich bei einer Podiumsdiskussion der „Stuttgarter Zeitung“, und Manuel Hagel (CDU) äußerte sich vor wenigen Tagen im „Handelsblatt“:
 
„Wir Deutschen arbeiten rund 200 Stunden weniger als die Schweizerinnen und Schweizer.“
 
Aber wie kommen Hagel, Rülke und andere Politiker auf die Zahl von 200 Stunden, die die Schweizer angeblich mehr arbeiten sollen?
 
Offenbar stützen sie sich auf Zahlen, die die „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD) zusammengestellt hat.
 
Die OECD listet die Arbeitsstunden für ihre Mitgliedsstaaten auf, hat aber die Zahlen nicht selbst erhoben.
 
Sie stammen aus Forschungsinstituten in den Ländern: In Deutschland ist das beispielsweise das „Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung“, die Forschungseinrichtung der „Bundesagentur für Arbeit“.
 
Es sind Faktoren wie die Anzahl der Urlaubs- und Feiertage und der Anteil der Vollzeit- und Teilzeitarbeitskräfte, die von den verschiedenen Forschungs- und Statistikinstituten in den einzelnen Ländern unterschiedlich behandelt werden und dadurch den Vergleich so schwierig machen.
 
Genau diesen Vergleich aber ziehen Hagel und Rülke.
Quelle: swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/faktenbasis-arbeit-arbeitszeit-in-deutschland-100.html

 

Was dazu komplett fehlt, sind die unbezahlten Überstunden (die es angeblich nicht gibt).

 

31.03.2025 Weniger Überstunden – Mehrzahl aber unbezahlt
 
Der „Deutsche Gewerkschaftsbund“ weist in seinem DGB-Index „Gute Arbeit“ daraufhin, dass immer noch 44% der Beschäftigten keine transitorischen Überstunden machen, sondern bezahlte und unbezahlte. Wobei die unbezahlten mehr als die Hälfte hier ausmachen.
 
Unternehmen würden so ihre Kosten senken – zu Lasten der Beschäftigten, beklagt der Gewerkschaftsbund. Überstunden verschärften zudem gesundheitliche Risiken. Dies gilt besonders für Arbeitszeiten von mehr als 48 Stunden pro Woche.
 
Davon betroffen sind laut dem Index mehr als 10% der Beschäftigten. Darüber hinaus steige bei überlangen Arbeitszeiten das Risiko von Fehlern und arbeitsbedingten Unfällen.
 
Die Arbeitnehmervertreter weisen darauf hin, dass die im vergangenen Jahr geleisteten 1,2 Milliarden Überstunden mehr als 750.000 Vollzeitstellen entsprechen.

 

Und auch in diesem Artikel wird das „Schweizer sind fleißiger als Deutsche“-Narrativ ad absurdum geführt.

 

Die Behauptung, wonach die Schweizer pro Jahr 200 Stunden mehr arbeiten als die Deutschen, ist falsch. Sie stützt sich offenbar auf eine Auflistung der „OECD“, doch diese eignet sich nicht für einen Vergleich zwischen den Ländern.
 
Laut dem „Statistischem Bundesamt“ arbeiten die Schweizer zwar etwas mehr als die Deutschen, aber nicht 200 Stunden pro Jahr, sondern nur 42.
 
Dem „Schweizer Bundesamt für Statistik“ zufolge arbeiten die Schweizer sogar deutlich weniger als die Deutschen!
 
Die offiziellen Zahlen widersprechen sich also. Doch selbst wenn es so sein sollte, dass die Schweizer mehr arbeiten:
 
200 Stunden pro Jahr, wie es Hagel, Rülke und andere Politiker behaupten, geben die offiziellen Zahlen nicht her.
Quelle: br.de/nachrichten/wirtschaft/dgb-beklagt-hohes-niveau-an-ueberstunden-kritik-an-aktueller-entwicklung,UgjzLhn

 

„Reformen“ zu rechtfertigen, indem man die Bevölkerung und die Opposition beschimpft und demütigt – und das auch noch mit falschen Zahlen -, ist der beste, wenn nicht sogar der schnellste Weg, sich und seine Partei ins Abseits zu schießen.
 
#JustMy2Cent

 

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