11.06.2026 Neue Russland-Sanktionen der EU treffen Deutschland
„Wir konzentrieren uns auf die Sektoren mit den größten Auswirkungen – erstmals auch die Fischerei“, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen diese Woche bei der Vorstellung des geplanten 21. Sanktionspakets gegen Russland.
Nach Angaben der EU-Kommission sollen bestimmte Fischimporte erheblich eingeschränkt, andere Produkte wie Kabeljau sogar vollständig verboten werden.
Alle 27 Mitgliedstaaten müssen noch zustimmen. Doch betroffen wären vor allem deutsche Unternehmen, die sich zuletzt zu den wichtigsten Abnehmern russischer Fischprodukte in Europa entwickelt haben. Nach Eurostat-Daten entfielen 2025 rund 40% des Importwerts russischer Fischprodukte in die EU auf Deutschland.
Gleichzeitig stammen nach einer aktuellen Analyse des Thünen-Instituts zwischen 55% und 72% des in Deutschland verarbeiteten Alaska-Pollacks – besser bekannt als Alaska-Seelachs – direkt oder indirekt aus russischen Quellen.
Genau dieser Fisch steckt in einem großen Teil der Fischstäbchen und Schlemmerfilets, die täglich in deutschen Tiefkühltruhen landen.
Für viele Familien gehören sie inzwischen zu den wenigen Fischprodukten, die noch vergleichsweise erschwinglich sind. Doch wie lange noch?
Nach Informationen der „Berliner Zeitung“ beschäftigen die geplanten Fisch-Sanktionen derzeit zahlreiche Unternehmen der Branche. In den Chefetagen von Verarbeitern und Händlern wird das Thema intensiv verfolgt.
Das Problem reicht dabei weit über Alaska-Seelachs hinaus. Nach Angaben des Thünen-Instituts spielt Russland auch bei Kabeljau, Schellfisch, Rotbarsch und weiteren für die europäische Fischverarbeitung wichtigen Arten eine zentrale Rolle.
Das „Thünen-Institut“ rechnet bei einem Importstopp oder einer drastischen Verteuerung russischer Fischimporte mit „erheblichen Auswirkungen auf das Angebot und die Preise der Produkte sowie auf die Arbeitsplätze in der deutschen fischverarbeitenden Industrie“.
Besonders interessant ist die Einschätzung der Wissenschaftler zu den tatsächlichen Auswirkungen auf Russland.
„Entgegen der Erwartung kurz nach Kriegsbeginn haben die russischen Fischereien Wege gefunden, sich weiter jährlich auditieren zu lassen“, heißt es in der Analyse.
Demnach dürfte der von der EU nicht mehr gekaufte Fisch vergleichsweise problemlos andere Abnehmer finden. Vor allem asiatische Märkte gelten als aufnahmefähig.
Die Analyse des „Thünen-Instituts“ legt nahe, dass die Folgen der geplanten Sanktionen in Europa stärker zu spüren sein könnten als in Russland.
Quelle: berliner-zeitung.de/article/deutschland-fischimporte-russland-sanktionen-10081621