Normalerweise informiere ich mich erst am Tag nach einer Wahl über die Wahlergebnisse. Aber die in Sachsen-Anhalt war schon etwas Besonderes, weswegen ich nebenher Welt.tv laufen ließ.
Moderiert wurde der Vorgang von Tatjana Ohm und Carsten Hädler. Gäste waren zu diesem Zeitpunkt der Kolumnist Hans-Ulrich Jörges und Gordon Repinski, Chefredakteur von „Politico Deutschland“.
Während der Diskussionen wurde dem Zuschauer mehrmals, innerhalb von zwanzig Sekunden sogar dreimal, mitgeteilt, man würde die Wahl politisch „einordnen“. Nicht, dass er noch anfängt, selbst zu denken.
Vorab zwei Umfragen vom 03.09.2026:

Quelle: dawum.de
Die letzte Prognose kam gegen 18:00 Uhr. Kommentar von Carsten Hädler:
„Die Wähler haben extrem gewählt: Die AfD mit 41 Prozent und das BSW aus dem Stand 4,8 Prozent.
Mit flitzte durch den Kopf: ‚Aha! Für euch ist die Linke also keine extreme Partei.‘
Dann kam gegen 18:30 Uhr die erste Hochrechnung.

Da war klar: Die AfD hat haushoch gewonnen. Da ging es dann richtig rund.
Kollektive Schnappatmung: AfD … rechtsextrem … rechtsextremistisch … Verfassungsschutz …
Hans-Ulrich Jörges echauffierte sich (mehr oder weniger aus heiterem Himmel): „Um das mal klar zu sagen: Die Linke ist keine kommunistische Partei! Sie ist keine kommunistische Partei! Sie ist eine links-sozialdemokratische Partei. Sie könnte problemlos mit der SPD fusionieren. Das würde nicht knirschen.“
Zumindest kam von den anderen Protest.
Gordon Repinski: „Sehr, sehr gewagt!“
Bei einem Beitrag aus Magdeburg lief Hans-Ulrich Jörges erneut zu Hochform auf, weil auf dem Marktplatz keine Massenproteste stattfanden. Das läge wohl daran, dass die Gesellschaft Mitte so erschöpft sei, dass sie das Wahlergebnis „hinnähme“. Er endete frustriert mit dem Satz: „Es tut sich nichts!“
Gästewechsel.
Carsten Hädler: „Bei uns ist Paul Ronzheimer, stellvertretender Chef-Radakteur der ‚Bild‘-Zeitung, ist bei uns, um das Ganze einzuordnen.“ Paul Ronzheimer, der Vordenker – wie schön.
Beitrag von der AfD-Wahlparty.
Carsten Hädler: „Die AfD feiert sich, obwohl das Endergebnis noch gar nicht vorliegt.“
Gegen 21:00 Uhr lag die AfD bei 44,4 Prozent und damit knapp vor der absoluten Mehrheit.
Gegen 21:15 Uhr kam die nächste Hochrechnung und das BSW knackte dann endlich die 5-Prozent-Hürde.

Man konnte das kollektive Aufatmen bei Welt.tv fast schon hören.
Gegen 22:00 Uhr verließ man dann endlich das Feld der „Einordnung“ und diskutierte, wie die weitere Vorgehensweise im Bund und die Strategie in Meck-Pom sein könnte.
Um 22.30 Uhr klinkte ich mich aus.
Die Wahlbeteiligung überstieg die von 1998 mit 71,7% (Quelle: „Statista“) und erreichte mit 80% einen neuen Rekordwert (Quelle: „ZDF“).
Zum Schluss noch zwei politische Stellungnahmen:
Felix Banaszak von den Grünen:
„Wir haben uns als Ziel gesetzt, zu verhindern, dass Verfassungsfeinde und Rechtsextreme dieses Land regieren.“
Zu einer Vierer-Koalition (CDU, SPD, Grüne und Linke) befragt: „Wenn Demokraten die Wahl haben zwischen einer rechtsextremen, antidemokratischen Partei an die Regierung zu lassen oder mit anderen demokratischen Parteien eine Regierung zu bilden, dann weiß ich, was ich von Demokraten erwarte.“
Zum Wählerwillen: „Die Richtung ist klar. Die Mehrheit hat demokratisch gewählt. Also der Wählerwille ist, dass eine Mehrheit in Sachsen-Anhalt nicht möchte, dass Rechtsextreme regieren. Das ist erstmal der Wählerwille.“
Da lag die AfD schon bei 44,4 Prozent und der Rest bei insgesamt 44,9 Prozent.
Jaja, der vielbeschworene Wählerwille … der permanent ignoriert wird.
Wiebke Winter, Mitglied des CDU-Bundespräsidiums, hat nicht eine einzige Frage der Moderatoren sowie von Paul Ronzheimer beantwortet, sondern schaffte es, geschlagene 7 Minuten Bullshit-Bingo-Propaganda von sich gegeben.
Ob ich die nächste Wahlsendung ansehe, weiß ich noch nicht. So viel Schlagseite zuzusehen und zuzuhören ist enorm anstrengend.