25.06.2026 Der historische Irrtum der „Angebotspolitik“
Die heutige Generation von Professoren, die schon 20 Jahre und mehr auf den wichtigen Universitäts-Lehrstühlen sitzen, kennen das Wort Nachfrage nicht mehr.
Monika Schnitzer etwa, die Vorsitzende des Sachverständigenrates, eine Mikroökonomin par excellence, redet in einem Interview im „Spiegel“ ausschließlich über die Reform der Sozialversicherungen, über Einsparungen und Steuererhöhungen (Mehrwertsteuer natürlich).
Etwas anderes kennt Schnitzer einfach nicht, obwohl sie die Vorsitzende eines Rates ist, dessen Gesetzesauftrag sagt, er habe sich mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung auseinanderzusetzen und sich aller konkreten Politikempfehlungen zu enthalten.
Letzteres hatte der Gesetzgeber in den 1960er Jahren explizit festgehalten, weil er wollte, dass der Rat eine tiefgehende makroökonomische Analyse vornimmt und sich nicht vorschnell auf wohlfeile mikroökonomische Politikempfehlungen stürzt.
Heutige Jahresgutachten enthalten eine belanglose Analyse, aber hunderte von konkreten Politikempfehlungen.
Christoph Schmidt, einer ihrer Vorgänger beim Rat und Präsident des „RWI“, möchte am liebsten die Schröder’sche Agenda-Politik wiederholen. Er hat offensichtlich niemals etwas über die verheerenden Wirkungen dieser Politik auf den internationalen Handel, die Europäische Währungsunion und die europäische Binnenkonjunktur gehört.
Auch er glaubt, man müsse nur die richtige „Erzählung“ finden, um dem Volk die einschneidenden Reformen schmackhaft zu machen.
Das „DIW“, das einmal das einzige Institut in Deutschland war, wo man das Wort Nachfrage kannte, empfiehlt dem Staat heute eine Kürzungsorgie ohnegleichen.
180 Milliarden oder 3,9% des BIP, so dessen Präsident, Marcel Fratzscher, könne man pro Jahr aufbringen, um einen “Finanzierungsspielraum“ für den Staat zu schaffen.
Das alles ist, ich kann es nicht anders sagen, grandioser Unfug. Es ist das Ergebnis eines Prozesses, bei dem das Fach „Volkswirtschaftslehre“ seine makroökonomische Basis verloren und damit seinen Status als Wissenschaft aufgegeben hat.
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