Asylbetrug: Für 800 Euro gibt’s in der Türkei die passende Anklage, um als „verfolgt“ zu gelten
Ein türkischer Asylbewerber will vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf seine politische Verfolgung beweisen. Doch als die Richter nach seinen angeblich strafbaren Veröffentlichungen fragen, wird es peinlich.
Erst präsentiert der Mann das Foto eines kurdischen Fußballspielers, das überhaupt nichts mit dem Verfahren zu tun hat. Anschließend zeigt er ein Video vom März 2024.
Dumm nur, dass die türkische Staatsanwaltschaft ihm eine Tat vom April 2023 vorwirft. Die Geschichte fällt auseinander.
Wie man sich solche Strafverfahren beschaffen kann, enthüllt nun eine Recherche der Wochenzeitung „Die Zeit“. Deren Journalisten gaben sich gegenüber mehreren Vermittlern als Interessenten aus.
Einer verlangte für ein Ermittlungsverfahren samt Hausdurchsuchung und Anklage gerade einmal 800 Euro. Sein Versprechen: „Damit bekommst du überall eine Aufenthaltserlaubnis.“ Angeblich habe er bereits zufriedene Kunden in Hamburg und Berlin.
Andere Anbieter verkaufen gleich Komplettpakete einschließlich Schleusung nach Deutschland – ab 6.000 Euro. Die vermeintliche politische Verfolgung gibt es als Dienstleistung, die Einreise gleich dazu.
Der Sachverständige Kamil Taylan beschreibt in seinem Gutachten vom 30.08.2025 einen regelrechten Handel mit türkischen Justizunterlagen. Anklageschriften, Haftbefehle und andere Dokumente werden über soziale Netzwerke angeboten.
Um echte Unterlagen in das offizielle Justizsystem einzubringen, arbeiten die Anbieter seinen Erkenntnissen zufolge mit korrupten Staatsanwälten zusammen.
Besonders beliebt sind konstruierte Vorwürfe wegen Präsidentenbeleidigung und angeblicher Terrorpropaganda. Solche Verfahren lassen sich vergleichsweise leicht anstoßen und enden später häufig ohne ernsthafte Konsequenzen für die Beschuldigten.
Quelle: report24.news/asylbetrug-fuer-800-euro-gibts-in-der-tuerkei-die-passende-anklage-um-als-verfolgt-zu-gelten