03.07.2026 Stromimporte: Deutschlands gefährlicher Glaube, jederzeit Strom vom Nachbarn zu bekommen
Der politische Satz klingt bequem: Wenn Deutschland zu wenig Strom erzeugt, kommt er eben aus dem Ausland. Doch diese Annahme unterschlägt den entscheidenden Punkt.
Ein Nachbarland kann nur liefern, was es nach Deckung des eigenen Bedarfs übrig hat. Stromhandel ist keine Kapazitätsgarantie. Er ersetzt weder eigene Kraftwerke noch gesicherte Leistung für kritische Stunden.
Genau diese Grenze wurde während der Hitzewelle sichtbar.
In mehreren europäischen Märkten stiegen die kurzfristigen Strompreise sprunghaft. In Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Dänemark suchten Käufer gleichzeitig zusätzliche Mengen.
Solche Preise entstehen nicht bei Überfluss. Sie zeigen, dass mehrere Länder zur gleichen Zeit auf dieselbe knappe Leistung zugreifen wollten.
Besonders aufschlussreich war die Rolle Frankreichs. Das Land geriet nicht in eine Versorgungskrise. Der französische Netzbetreiber RTE erklärte die Versorgung trotz reduzierter Leistung einzelner EDF-Reaktoren als gesichert.
Die Drosselungen erfolgten wegen hoher Flusstemperaturen und Umweltauflagen beim Kühlwasser. Sie waren kein Zeichen eines instabilen französischen Stromsystems.
Gerade deshalb ist der Vorgang für Deutschland so wichtig.
Frankreich konnte den eigenen Bedarf decken. Es konnte aber nicht mehr so viel Überschussstrom liefern, wie Deutschland, Belgien, die Niederlande und Dänemark zusätzlich benötigten.
Damit zeigte sich nicht Frankreichs Schwäche, sondern Deutschlands Abhängigkeit von fremden Überschüssen.
Dass die eigenen Kraftwerke in kritischen Stunden nicht mehr ausreichen, ist längst bekannt. Trotzdem wird die Lücke nicht konsequent durch zusätzliche heimische Reserveleistung geschlossen.
Stattdessen kalkuliert Deutschland zunehmend damit, fehlende Kraftwerkskapazität über Stromimporte und ausländische Reservekraftwerke abzusichern.
Damit wird der Strom vom Nachbarn nicht mehr nur als Ergänzung des Marktes behandelt, sondern als Ersatz für eigene steuerbare Leistung.
Für den Winter 2026/2027 wurde ein Reservebedarf von mehr als sieben Gigawatt bestätigt. Ein erheblicher Teil davon soll aus ausländischen Reservekraftwerken kommen.
Das ist energiepolitisch brisant: Deutschland weiß, dass es in angespannten Situationen zusätzliche Leistung braucht, baut aber weiter auf die Annahme, dass Nachbarländer diese Leistung schon bereitstellen werden.
Quelle: blackout-news.de/energie/stromimporte-deutschlands-gefaehrlicher-glaube-jederzeit-strom-vom-nachbarn-zu-bekommen