Menschengemachter Klimawandel – mit umgekehrten Vorzeichen

26.06.2026 Europa wird zum Hitze-Hotspot: Warum sich der Kontinent doppelt so schnell erwärmt wie der Rest der Welt
 
Es ist eine Zahl, die vieles deutlich macht: Während sich die Erde insgesamt um rund 1,4 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau erwärmt hat, liegt Europa bereits bei etwa 2,4 Grad über dem Wert von 1850 bis 1900. Das geht aus Daten des „Copernicus Climate Change Service“ der EU hervor.
 
Damit ist unser Kontinent der mit Abstand am schnellsten heizende der Welt – und die Hitzewelle dieser Tage führt uns mit brutaler Deutlichkeit vor Augen, was diese Statistik im Alltag bedeutet.
 
Die zugrunde liegende Dynamik ist eindeutig. Laut „Copernicus“ sind die Durchschnittstemperaturen in Europa seit Mitte der 1990er-Jahre um etwa 0,56 Grad Celsius pro Dekade gestiegen – mehr als doppelt so schnell wie im globalen Mittel.
 
Doch warum gerade Europa? Die Klimawissenschaft hat in den vergangenen Jahren mehrere Faktoren identifiziert, die zusammenwirken.
 
Die Arktis ist laut „Copernicus“ bereits 3,2 Grad wärmer als in vorindustrieller Zeit.
 
Verantwortlich dafür ist die sogenannte Albedo-Rückkopplung: Helles Eis und Schnee reflektieren einen Großteil der Sonnenstrahlung zurück ins All. Schmelzen sie, kommen darunter dunklere, wärmeabsorbierende Flächen wie Land oder Meer zum Vorschein.
 
„Wenn das Meereis schmilzt, führt das zu einer stärkeren Wärmeaufnahme, was wiederum die Gewässer weiter erwärmt und mehr Eis schmelzen lässt“, erklärt Ben Clarke, Forscher für Extremwetter und Klimawandel am „Imperial College London“.
 
Das Paradox der sauberen Luft: Eine besonders ironische Komponente ist der Erfolg europäischer Luftreinhaltepolitik.
 
Strengere Luftqualitätsvorschriften haben seit den 1980er-Jahren die Aerosolemissionen reduziert.
 
Doch diese winzigen Schwebeteilchen hatten einen kühlenden Effekt, weil sie Sonnenlicht reflektieren und Wolken reflektierender machen.
 
„Während eine Reduktion der Luftverschmutzung enorm wichtig für die Atemwegsgesundheit ist, erhöht sie auch die Sonneneinstrahlung an der Oberfläche“, erklärt Clarke.
 
Eine Schlüsselrolle spielt dabei auch der Jetstream, das Band starker Westwinde, das normalerweise kühle Atlantikluft nach Europa lenkt.
 
In den vergangenen Jahrzehnten teilt sich der Jetstream über Europa häufiger in zwei Äste auf – eine Zone schwacher Winde dazwischen lässt Hitze tagelang stagnieren.

 

Wäre es auch möglich, dass die hunderte Windräder damit zu tun haben? Denn es wird ja die kinetische Energie des Windes in elektrische Energie umgewandelt.

 

Die Klimawissenschaft ist sich einig: Wiederkehrende Hitzewellen sind ein klares Kennzeichen der globalen Erwärmung, und sie werden häufiger, länger und intensiver werden, getrieben durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe.

 

Europa ist also doppelt gekniffen: Zum einen, weil es für saubere Luft gesorgt hat, und zum anderen, weil der Rest der Welt das nicht ganz so strikt handhabt.

 

Lizzie Kendon, Klimawissenschaftlerin an der „University of Bristol“, bringt es auf den Punkt:
 
„Wir erwarten steigende Temperaturen und das Brechen von Temperaturrekorden aufgrund des Klimawandels.“
 
Was sie als „außergewöhnlich“ bezeichnet, sind die Spannen, mit denen Rekorde derzeit überboten werden.

 
Quelle: berliner-zeitung.de/article/europa-wird-zum-hitze-hotspot-warum-sich-der-kontinent-doppelt-so-schnell-erwaermt-wie-der-rest-der-welt-10135611
 

Es wäre schon eine Ironie sondergleichen: Wir retten zwar die Welt, geht aber selbst vor die Hunde.

 

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