14.05.2026 Wieso Solarstrom in Europa mittlerweile verschwendet wird
Mit den länger werdenden Tagen ist die Solarsaison in vollem Gange. Die im vergangenen Jahr hinzugekommenen Kapazitäten haben die Erzeugungsbasis erweitert, und in wichtigen Märkten wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich wurden in diesem Frühjahr bereits Rekorde gebrochen. Weitere werden in den kommenden Monaten erwartet.
Das ist mehr Strom, als die Region verbrauchen kann, da die Erzeuger zunehmend gezwungen sind, ihre Anlagen an sonnigen Tagen stundenlang abzuschalten – eine Praxis, die als Abschaltstromregelung bekannt ist.
In den kommenden Monaten könnten rund 40 Terawattstunden Strom, genug, um Groß-London ein Jahr lang zu versorgen, ungenutzt bleiben.
Das entspricht einem Anstieg um ein Viertel gegenüber 2025. Die Folge: Europas ohnehin schon stark belastete Verbraucher zahlen unter Umständen doppelt.
Zunächst für die Subventionen, die den Solarboom befeuert haben, und dann erneut, wenn die Erzeuger für das Abschalten ihrer Anlagen vergütet werden, weil das Angebot das Netz überlastet.
Der Überschuss drückt die Strompreise während der Spitzenzeiten der Solarenergie, wenn die Produktion die Nachfrage übersteigt, deutlich unter Null. Projekte, die noch vor wenigen Jahren als sichere Anlagen galten, werden nun neu bewertet.
Spannungsschwankungen waren eine der Hauptursachen für den schwersten Stromausfall in Europa seit Jahrzehnten, der letztes Jahr in Spanien und Portugal stattfand. Dieser ereignete sich zu einem Zeitpunkt, als ein großer Teil der Solarenergie im Netz eingespeist war.
Seitdem agiert der Netzbetreiber „Red Electrica“ vorsichtiger, hält Gaskraftwerke als Reserve am Netz und setzt weniger auf Solarenergie.
Negative Preise traten in diesem Frühjahr besonders deutlich auf, wobei die Stundenpreise in Deutschland und Frankreich auf rund minus 500 Euro pro Megawattstunde fielen.
Wenn Netzbetreiber Solarparks vom Netz nehmen, erhalten die Unternehmen in der Regel eine Entschädigung. In Deutschland, Europas größtem Solarmarkt, tragen die Verbraucher diese Kosten letztendlich selbst, obwohl sie derzeit vom Bundeshaushalt übernommen werden, um die Belastung zu verringern.
In wichtigen Märkten verschärft sich das Problem. In Spanien wurden im ersten Quartal rund 16% der Solarstromerzeugung abgeregelt, etwa doppelt so viel wie im Vorjahr.
Deutschland verzeichnete laut Schätzungen der London Stock Exchange Group einen Anstieg von rund 13% gegenüber 7%.
Quelle: cash.ch/node/912622