17 Apr 2017
 

In der SZ erschien diese Woche ein Artikel mit der Überschrift „Was Männer und Frauen für die ideale Arbeitszeit halten“. Grundlage ist eine Umfrage des IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit.

Da die Quelle nicht im Artikel verlinkt wurde, machte ich mich auf die Suche und fand ein PDF mit der Überschrift „Arbeitszeitwünsche und Erwerbstätigkeit von Müttern“ (habe ich am Ende des Artikels zum Lesen oder Herunterladen eingebunden). Die Einleitung der Studie lautet wie folgt:

Erwerbsarbeit sowie Haus- und Erziehungsarbeit sind in Deutschland noch immer ungleich zwischen den Geschlechtern verteilt. Die Erhöhung der Frauen- und Müttererwerbstätigkeit ist als politisches Ziel verankert, um einerseits die finanzielle Situation der Familien zu verbessern und andererseits die finanzielle Eigenständigkeit von Frauen zu stärken.

Bundesweit wurde 6.514 Frauen und 5.607 Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren befragt. Es gibt Unterschiede zwischen Ost und West; in diesem Beirag beschränke ich mich jedoch im Wesentlichen auf den „westlichen“ Teil.

In ihrem Artikel schreibt die SZ-Autorin Ulrike Heidenreich unter anderem:

Die tatsächliche Arbeitszeit bei erwerbstätigen Frauen beträgt in Deutschland im Durchschnitt 30 Wochenstunden, gewünscht werden lediglich 28. Bei berufstätigen Männern sind es momentan real 43 Wochenstunden, die Befragten wollen aber im Idealfall weniger arbeiten – nämlich 35 Stunden.

Das ist seltsam! Denn in der Studie steht:

… bei [erwerbstätigen] Männern lag die gewünschte Arbeitszeit bei knapp 39 Stunden. […] Die Idealvorstellung von Männern ist unabhängig von der Haushaltssituation im Mittel eine 35-Stunden-Woche.

Kommen wir zur nächsten Ungereimtheit. Frau Heidenreich schreibt:

Demnach wünschen sich kinderlose Frauen ohne Partner 32 Wochenstunden im Büro (sic!), kinderlose Frauen mit Partner 28 Stunden. Die geringste Zahl nennen Frauen, die in einer Partnerschaft leben und Kinder zwischen drei und sechs Jahren haben, sie möchten 22 Stunden arbeiten. […] Wesentlich mehr arbeiten würden […] außerdem Frauen in Paar-Haushalten mit Kindern ab sechs Jahren, die aus dem Gröbsten heraus sind.

In der Studie gaben Frauen mit Kindern über 6 Jahren an, nur 24 Stunden arbeiten zu wollen. Was eine durchschnittliche Reduzierung/Erhöhung der Arbeitszeit von … Null bedeutet.

Frau Heidenreich schreibt im Intro:

Wenn der Nachwuchs mindestens sieben Jahre alt ist, so die Ansicht, sei dann wieder eine Arbeit in Vollzeit möglich.

Stimmt! 65% der Befragten sind tatsächlich der Meinung, eine Mutter könne wieder Vollzeit arbeiten gehen, wenn die Kinder 6 Jahre oder älter sind. Ich wäre nur dankbar, wenn mir jemand eine Frage beantworten könnte: In welchem Universum sind 24 Stunden ein Fulltimejob?

Faszinierend fand ich das Ergebnis der kinderlosen Frauen mit Partner: In dieser Gruppe wurden 1.959 Frauen befragt. Davon sind nur 1.494 erwerbstätig und von denen wünscht sich die Hälfte eine Reduzierung der Arbeitszeit. Das sind etwas über 38% in dieser Gruppe und 11,5% (!) der insgesamt befragten Frauen. Wenn deren Männer das finanzieren … meinetwegen. Aber Feministinnen sollten bei solchen Umfragezahlen bitte aufhören, ständig was von „Gender Pay Gap“ zu faseln.

Mich wundert es nicht, dass das IAB ein eher ernüchtertes Fazit zieht:

Unabhängig von ihrer Haushaltskonstellation wünschen sich Frauen also eher eine erweiterte Teilzeitstelle als eine Vollzeit-Erwerbstätigkeit.

Wie sich „starke“ Frauen ideales Arbeiten vorstellen, war ja bereits Thema in meinem Artikel „Edition F: Das digitale Zuhause für starke Frauen„. Auch diese Studie bestärkt mich in meinen Verdacht, dass sich ein nicht unerheblicher Teil Frauen verwirklichen und als Angestellte frei sein will. Dass sie einen erfüllenden Job und eine Teilzeitstelle mit gutem Gehalt haben wollen. Dass aber eins nicht auf deren Agenda zu stehen scheint: arbeiten.

Manuela Schwesig will ja a) mehr Unternehmen zur Frauenquote verpflichten und b) Unternehmen zwingen die Löhne offen zu legen, um damit c) Lohngleichheit zu erreichen.

Auf die Studie umlegt, hieße das: Frauen, die zum Großteil gar kein Interesse an Vollzeitarbeit haben, werden Unternehmen aufgezwungen, die das bezahlen müssen und zwar mit dem gleichen Gehalt wie Männer, die den Laden mit 61% mehr Arbeitsleistung am Laufen halten.

Kann man machen. Aber dann sollt man das auch so sagen.

JustMy2Cent

 

Quellen:
http://www.sueddeutsche.de/leben/umfrage-die-ideale-arbeitszeit-1.3460605
IAB Kurzbericht: Ideale Arbeitszeit für Mütter

11 Sep 2016
 

Zu allererst: seine Undifferenziertheit. Mein „Lieblings“-Schlagwort ist „So lange Frauen nicht dasselbe verdienen wie Männer“ … Was wollen mir Feministinnen damit sagen? Dass Pflegerinnen weniger verdienen als Pfleger? Kassiererinnen weniger als Kassierer? Friseurinnen weniger als Friseure? Oder Managerinnen weniger als Manager? Woher kommt die oft zitierte Zahl von 20 plus x Prozent? Wenn ich mir in meinem Bekanntenkreis ansehe, welche Berufe die Frauen ausüben, verdienen 90% weniger als ihre Männer bzw. gar nichts. Weil sie Berufe ausüben, in denen man per se weniger verdient oder weil sie (momentan) gar nicht arbeiten gehen, sondern sich um die gemeinsamen Kinder kümmern.

Sollte man Frauen nicht besser selbst fragen, welchen Anspruch sie an ihr Leben stellen? Wenn man schon auf Männer „einprügelt“, weil sie sich Frauen bei der Karriere „in den Weg stellen“, sollte man ab und zu auch einen Blick auf die Manager-Frauen werfen, die von dem großzügigen Gehältern ihrer Männern leben, und das ganz bestimmt nicht schlecht. Die lachen sich doch bei der ganzen Diskussion ins manikürte Fäustchen.

In einer Sendung über Frauen und Karriere (leider kann ich mich nicht mehr an den genauen Titel erinnern) gab ein Großteil von befragten Studentinnen an, Kinder haben und dann zuhause bleiben zu wollen. Dagegen spricht erst mal gar nichts. Danach verdienen sie aber anschließend von Haus aus weniger als ihre gleichaltrigen Kollegen, weil sie weniger Berufserfahrung haben und die Jungs inzwischen die Karriereleiter nach oben geklettert sind. Warum also überlassen sie die Erziehung nicht ihren Männern und machen Karriere?

Weil das der nächste neuralgische Punkt ist. Karriere machen? Ja! Gleichstellung? Auf jeden Fall! Aber die „Erziehungshoheit“ abgeben? Besser nicht! Wir wollen doch nicht noch mehr Sexisten und unterdrückte Frauen heranziehen, oder?

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich kenne Frauen, die den männlichen „Einfluss“ bei der Kindererzeihung für sehr wichtig halten. Ich kenne Männer, die entweder die komplette Elternzeit nehmen oder sich mit ihren Frauen teilen. Ich kenne Frauen, die dasselbe verdienen wir ihre Kollegen oder sogar mehr als ihre Männer. Und ich finde das gut.

Ich mag nur dieses neo-feministische Geblubbere nicht, Männer seien allein an dem herrschenden Ungleichgewicht alleine schuld.

Weil es nicht stimmt.

JustMy2Cent