05 Dez 2018
 

Mittlerweile bin ich schon mehrere Jahre auf Twitter unterwegs. Früher gab es auch Dispute, heftige Auseinandersetzungen und die eine oder andere verbale Keilerei; im Großen und Ganzen hielt sich das jedoch in Grenzen. Das hat sich mittlerweile (leider) grundlegend geändert. Wenn ich manche Debatte verfolge, kommt mir oft der Spruch „Und willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag‘ ich dir den Schädel ein“ in den Sinn. Das geht inzwischen so weit, dass schon bei einem Anflug von (vermeintlicher) Kritik „zurückgeschossen“ wird. Das ist mir die Tage auch (wieder mal) passiert, und zwar mit folgendem Ausgangstweet:

Hätte ich mich über den Tweet von Lasalle entrüstet, wäre wohl alles gut gewesen. Auf sowas gehe ich allerdings schon aus Prinzip nicht ein. Da greift bei mir der gute, alte Twitter-Grundsatz: „Don’t feed the troll!“. Mich störte jedoch das Wort „nachplappern“ in dem AfD_HD-Tweet.

Nachplappern: „Etwas, was ein anderer gesagt hat, genauso [und auf kindliche Weise] wiedergeben, ohne es inhaltlich erfasst zu haben“. (Duden)

Ja, da bin ich pingelig! Fakt ist, die AfD hatte schon vor Monaten Kenntnis vom Migrationspakt. Fakt ist auch: von der AfD ist damals keiner nach New York geflogen. Und ich hatte nun mal den Eindruck, den AfD-Abgeordneten war es unangenehm, als bei der Bundestags-Debatte am Freitag die Sprache darauf kam. Nicht mehr und nicht weniger.

Mit einer Antwort hatte ich gar nicht gerechnet, aber sie kam prompt. Zugegeben: Meinen darauffolgenden Kommentar kann man auch nicht gerade unter „Diplomatie“ ablegen, inhaltlich stehe ich allerdings nach wie vor dazu.

Obwohl ich (immer noch) überzeugter Nichtwähler bin, geht mir dieses ständige AfD-Gebashe genau so auf den Senkel wie den AfD-Wählern. Die AfD ist demokratisch gewählt, ob das den anderen „Wir sind die einzig wahren Demokraten“-Parteien und deren Wählern passt oder nicht. Man sollte sich allerdings, wenn man als Partei ernst genommen werden will (zumindest von mir), auch entsprechend verhalten und nicht mit sinnfreien Textbausteinen „argumentieren“.

Daraufhin meldete sich der Twitterer, durch den ich auf den Tweet aufmerksam wurde, zu Wort:

„Und mit einem symbolischen Flug zur UN gewinnt man Wähler? Mehr als 15% sind nicht drin? Es ist noch nicht schlimm genug in diesem Land, dessen Zustand der beste Wahlgrund wäre.“

  1. Das habe ich nie behauptet.
  2. Das habe ich nicht gesagt.
  3. Soll wohl heißen: Wenn ich nicht die AfD wähle, bin ich mitschuldig, wenn es in diesem Land noch schlimmer wird. Wenn es danach ginge, müsste ich allerdings auch die Grünen wählen. Oder die Linke. Oder [bitte beliebiges Parteien-Kürzel einsetzen]. Da ist vom erhobenen Zeigefinger bis hin zum Szenario des bevorstehenden Weltuntergangs ja alles vertreten.

Diese Debatte hätte an dieser Stelle zu Ende sein können. Allerdings bin ich auch nicht unbedingt bekannt dafür, meine Klappe halten zu können.

„Meine Antwort bezog sich nicht auf einen symbolischen Flug, sondern auf den Beißreflex der AfD_HD bezüglich meiner Frage des „Nachplapperns“. Nennt man ‚Kontext‘.“

Daraufhin kam dann nochmal der Textbaustein mit der NPC-Fibel von der AfD_HD (auf den ich schon gar nicht mehr reagierte) sowie folgende Erwiderung des Twitterers:

„Und mein Hinweis bezog sich auf den Kern Ihrer Aussage bzw. den Hinweis in Ihrem Tweet, die AfD hätte ja zur UN fliegen können- Nennt man *Makroebene‘.“

Sorry, aber es ist schon mehr als schwierig, im RL Botschaften auf Makroebene wahrzunehmen; dazu muss man ein sehr aufmerksamer Beobachter und Zuhörer sein. Auf Twitter funktioniert das schon gar nicht, wie man sieht. Denn weder schrieb ich noch dachte ich zu irgendeinem Zeitpunkt „Die AfD hätte da ja hinfliegen können, anstatt jetzt die Klappe aufzureißen“ oder ähnliches. Aus einem einfachen Grund: Es wäre meiner Meinung nach völlig sinnlos gewesen, weil sie nichts hätte bewirken können. Mir fiel nur, wie oben bereits erwähnt, auf, dass dies ein Thema ist, bei dem sich die Abgeordneten der AfD unwohl zu fühlen schienen- aus welchen Gründen auch immer.

Fazit: Gibt man seinen Senf zu irgendwelchen Tweets oder Kommentaren, läuft man Gefahr, in ein fallendes Messer zu greifen. Fragt man nach, ebenfalls. Normalerweise würde ich jetzt meinen Standardspruch „Ich bin zu alt für so ’ne Scheiße!“ schreiben. Das formuliere ich jedoch auf Anraten eines anderen Twitterers in „Ich bin zu vernünftig für so ’ne Scheiße!“ um. 😀

Twitter ist für derartige Debatten absolut nicht geeignet. Daher werde ich in Zukunft zurückhaltender sein, was Kommentieren oder Nachfragen betrifft. Schont nicht nur meine Nerven, sondern wahrscheinlich auch die von anderen.